Wurden Sie beleidigt? Die strafrechtlichen Folgen böser Worte

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Nach § 185 StGB ist eine Beleidigung strafbar, die Grenze zu einer negativen Meinung über einen anderen ist rasch überschritten, wenn sie ehrverletzend und abwertend ist und jemand verunglimpft wird.

Möchte man sich gegen eine Beleidigung wehren, dann ist außer der Anzeige auch ein sogenannter Strafantrag notwendig, außerdem kann es dazu kommen, dass Beleidigungen zusätzlich Ansprüche auf Schmerzensgeld nach sich ziehen.

Die Polizei leitet eine Ermittlung nur dann ein, wenn ein Strafantrag gestellt wird, denn es handelt sich bei der Beleidigung um ein Antragsdelikt, dass nur dann verfolgt wird, wenn es der Geschädigte ausdrücklich wünscht.

Natürlich hängt die Strafe im Fall einer Verurteilung davon ab, wie schwerwiegend die Beleidigung war und ob der Täter zum Beispiel bereits vorbestraft ist. In der Praxis werden Strafanzeigen wegen Beleidigung oft eingestellt, weil entweder der Tatverdacht nicht ausreichend ist oder weil das öffentliche Interesse an einer Strafverfolgung des Täters gering ist.

Eine andere Person kann man auf vielfältige Art und Weise beleidigen, das ist mündlich, schriftlich durch Bilder und durch Handlungen möglich. Auch die bei Autofahrern oft eingesetzten Gesten, wie zum Beispiel die Scheibenwischergeste, oder Äußerungen per E-Mail oder WhatsApp berechtigen zu einer Anzeige.

Obwohl die Polizei jährlich mehr als 200.000 Anzeigen aufnimmt, verfolgt die Staatsanwaltschaft diese eher selten, da sie als „leichte Vergehen“ gelten. In diesem Fall kann man sodann mit der Privatklage vorgehen.

Beleidigungen innerhalb einer Familie zum Beispiel werden gemäß Oberlandesgericht Frankfurt nicht als solche geahndet, denn die enge Familie sei quasi eine „beleidigungsfreie Zone“. In­nerhalb der Familie dürften rabiatere Worte fallen, damit im engen Kreis der Familie emotionale und ungehemmte Aussprachen möglich sind. Ist es hingegen so, dass das Persönlichkeitsrecht einer anderen Person sehr schwerwiegend verletzt wurde, dann kann es sogar dazu kommen, dass einem Geschädigten Schmerzensgeld zugesprochen wird, wenn es zu länger andauernden psychischen Schäden aufgrund der Beleidigung gekommen ist.

Möchte man eine Strafanzeige erstatten, dann ist dies bei der Polizei, bei der Staatsanwaltschaft oder dem zuständigen Amtsgericht möglich. Im gängigen Fall wendet man sich üblicherweise an die Polizei. Wichtig zu wissen ist, dass der Strafantrag oder die Anzeige nichts kostet.

Nach §  185 StGB ist eine Freiheitsstrafe möglich von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe. Entgegen den Strafen im Verkehrsrecht ist es hier so, dass es nicht etwa einen klaren Katalog für die Höhe einer Geldstrafe gibt, die Gerichte entscheiden im Einzelfall. Beispielsweise haben Gerichte folgende Strafen verhängt: Zunge rausstrecken führte zu einer Strafe von 150 Euro, während die Äußerung „dumme Kuh“ eine Strafe von 300 Euro nach sich zog. Da die Höhe der Strafe auch vom monatlichen Einkommen abhängig ist, kann zum Beispiel das Zeigen des Mittelfingers auch mal 4000 Euro kosten.

Möchten Sie eine Strafanzeige erstatten oder sich hiergegen wehren, so unterstützen wir Sie gerne kompetent, schnell und zuverlässig.