Was bedeutet das gemeinsame Sorgerecht?

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Von Katharina Schäfer / Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht

Wenn Eheleute sich trennen, bleibt die elterliche Sorge für die gemeinsamen Kinder auch nach der Trennung oder Ehescheidung bestehen. Dies gestaltet sich manchmal sehr schwierig, denn oft sind zerstrittene Paare nicht in der Lage, die Elternebene von der Paarebene emotional zu unterscheiden.  Viele Probleme, die nach einer Trennung entstehen und sich zum Beispiel plötzlich in verschiedenen Ansichten zur Erziehung der Kinder widerspiegeln und für große Konflikte sorgen,  können vermieden werden.
Es ist daher sinnvoll zu wissen, was für gemeinsam sorgeberechtigte Eltern nach einer Trennung oder Ehescheidung Geltung hat.
Zur elterlichen Sorge gehört zum Beispiel das Recht auf Pflege, Erziehung und Beaufsichtigung des Kindes.  Auch nach einer Trennung oder Scheidung müssen sich beide Eltern um das gemeinsame Kind kümmern. Wenn sie dabei große Meinungsverschiedenheiten haben, sollten die Eltern zunächst zum Beispiel mit Hilfe des Jugendamtes oder einer Erziehungsberatungsstelle versuchen, eine Klärung herbeizuführen.  
Es gibt aber auch Angelegenheiten, die nicht von beiden Eltern gemeinsam zu klären sind. Praktisch ist dies auch nach einer Trennung oder Scheidung nicht möglich. Das gemeinsame Sorgerecht beinhaltet daher, dass nur Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung gemeinsam zu entscheiden sind.  
Von erheblicher Bedeutung ist zum Beispiel das Auf­enthaltsbestim­mungs­recht, die Gesundheitssorge, Kindergarten- und Schulangelegenheiten etc.
Allerdings kommt es auf den einzelnen Fall an, denn eine klare Abgrenzung zu den Angelegenheiten, die der jeweils betreuende Elternteil alleine entscheiden darf,  gibt es nicht. 
Generell gilt, dass eine erhebliche Angelegenheit dann vorliegt, wenn die Entscheidung maßgebliche Auswirkungen auf das gesamte weitere Leben des Kindes haben wird. 
Hiervon zu unterscheiden sind die Angelegenheiten des täglichen Lebens. Bei diesen Angelegenheiten darf der betreuende Elternteil alleine entscheiden. Angelegenheiten des täglichen Lebens sind z.B. allgemeine Erziehungsfragen wie die Bestimmung der Schlafenszeiten.
Sollte eine Gefahrensituation vorliegen, so hat jeder Elternteil ein sogenanntes „Notvertretungsrecht“. Er muss dann jedoch den anderen Elternteil schnellstmöglichst informieren. Falls es bei Problemen auch mit Hilfe nicht gelingt, die anstehenden Fragen zu klären, so muss das Familiengericht eingeschaltet werden. In streitigen Fragen wird meist ein Verfahrensbeistand (Anwalt des Kindes) und das Jugendamt eingeschaltet. In einigen Fällen muss zusätzlich ein Sachverständigengutachten seitens des Gerichtes angeordnet werden.
Man sollte sich nicht scheuen, kompetente anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, denn oft führt die Einschaltung eines Anwaltes zu einer Klärung der anstehenden Problematik. Ein auf das Familienrecht spezialisierter Anwalt kann bei der Suche nach sinnvollen Lösungen unterstützen.
Gerne stehen wir Ihnen mit unserer langjährigen Erfahrung in familienrechtlichen Fragen zur Seite.

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