Es hilft der Blick von außen

Ein Gespräch mit dem Unternehmensberater und Coach Clemens Adam über Hilfen und Entwicklungsmöglichkeiten für Unternehmer in Zeiten der Corona-Krise.

Herr Adam, wie erleben Sie die Situation der Gewerbetreibenden in der Region?
Der März 2020 und der April 2020 werden in die Geschichte eingehen als ein Jahr, in dem die Gewerbetreibenden in Deutschland und auch hier in Freigericht unter der Corona-Krise leiden mussten. Besonders die kleinen und mittelständischen Betriebe sind von Schließungen und gesetzlich angeordneten Ausgangssperren oder Kontaktsperren betroffen. Ich selbst stelle fest, dass es in Freigericht zahlreiche Unternehmen gibt, die weder Einnahmen noch neue Kunden generieren können.

Was können Sie Unternehmen raten?
Es gibt verschiedene Maßnahmen, mit denen sich Unternehmen selbst helfen können. Hier möchte ich besonders die Initiative des Gewerbevereins erwähnen: Sehr hilfreich sind Gutscheine, die zugunsten der geschlossenen Unternehmen verkauft werden und nach der Krise von den Kunden einzulösen sind. Damit haben die geschlossenen Unternehmen sofort kurzfristige Hilfe und Liquidität.
Von Seiten der Bundesregierung und des Landes Hessen sind Hilfsfonds geschaffen worden, wie zum Beispiel das Soforthilfeprogramm. Doch diese werden von vielen als kritisch und kompliziert angesehen. So fürchten viele Unternehmer, bei der Antragstellung Fehler zu machen. Deshalb habe ich mich mit meinem Team daraufhin verständigt, diesen Unternehmern zu helfen.

Wie sieht diese Hilfe aus?
In einem Erstgespräch prüfen wir die Förderfähigkeit. Ergibt sich dabei, dass die Ursache für Liquiditätsengpässe tatsächlich auf der Corona-Krise beruht, kann der Unternehmer zusammen mit mir als Berater Anträge stellen. Wenn die Förderfähigkeit gegeben ist, empfehlen wir das neue Förderpaket der BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) für Unternehmen in Schwierigkeiten. Es wird zu 100 Prozent durch den europäischen Sozialfond gefördert.
Wir bieten grundsätzlich eine aktive Beratung. Dabei wird der Zustand des Unternehmens in der Krise geprüft. Gemeinsam entwickeln wir Ideen und Strategien, die dazu geeignet sind, dass das Unternehmen die Krise übersteht und langfristig am Markt bestehen kann.

Können Sie dies an einem Beispiel erläutern?
Nehmen wir einmal das Beispiel Gastronomie. Hier kann ein Gastronom sein Unternehmen, das normalerweise vom Kundenbesuch abhängig ist, auf einen Lieferservice oder Abholservice umstellen. Dabei lässt sich zum Beispiel eine App der Firma HOGATRON verwenden, die auch im Nachgang der Krise nutzbar ist. Gleichzeitig können Unternehmen ihr Marketing, ihre Produkte, ihren Service auf Anfälligkeiten prüfen und entsprechende Maßnahmen ergreifen.
Ein weiteres praktisches Beispiel ist ein Gewerbetreibender, der im Bekleidungshandel aktiv ist und schließen musste. In der Beratung haben wir festgestellt, dass es ein riesiges Potenzial für Umsatz im Onlinehandel geben kann. Wir haben dies mit bestehenden Onlineshops getestet. Das Unternehmen konnte in einer Woche Ware im Wert von 10.000 Euro absetzen – und das nur über die Handelsplattform Amazon! Man musste also gar keinen eigenen Shop generieren, sondern konnte auf vorhandene Shops ausweichen.
Die Angst des Unternehmers, dass viele Rückläufe kämen, konnten durch optimale Beschreibung der Produkte mit exakten Maßangaben auf einen Wert von unter zwei Prozent gesenkt werden, was ein sehr, sehr niedriger Wert im Handel ist. Dieser Unternehmer hat im Nachgang entschieden, jetzt einen eigenen Shop aufzubauen und einen Lieferservice in der Region anzubieten. Ideal dabei: Der Kunde kann direkt bei Anlieferung die Kleidung anprobieren und somit werden teure Rücksendungen vermieden. Sehr spannend ist außerdem, dass für die Auslieferung Senioren und Seniorinnen gewonnen werden können, die riesig Spaß an dieser Art der Kommunikation haben.
Man sieht, wenn man sich ein bisschen damit beschäftigt, was gehen könnte, und sich nicht so sehr damit beschäftigt, was nicht mehr geht, dann kommt richtig Bewegung rein!

Die Beispiele machen Mut…
Natürlich – und das will ich nicht verschweigen – ist der größte Hemmschuh für Veränderung der Mensch selbst. Aus diesem Grunde empfehle ich jedem, der in einer angespannten Situation aufgrund der Corona-Krise ist, sich ein Sparringspartner an die Seite zu holen und zu prüfen, wie man mit der Situation umgehen kann. Im Rahmen dieser Beratungsprojekte erstellt der Berater eine Handlungsempfehlung, die er zusammen mit dem Unternehmer abgestimmt hat. Daran kann sich der Unternehmer orientieren und entsprechend handeln.
Sollte dabei herauskommen, dass das Unternehmen nicht tragfähig ist, dann kann dieser Berater auch helfen, eine entsprechende Exit-Strategie zu entwickeln und den Unternehmer dabei unterstützen, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Mit welchen Kosten ist Ihre Beratertätigkeit für den Gewerbetreibenden verbunden?
Bei dem oben genannten Beratungsprogramm für Unternehmen in Schwierigkeiten übernimmt das BAFA in Zusammenarbeit mit dem ESF Europäischen Sozialfond 100 Prozent der Kosten. Lediglich die Umsatzsteuer ist vom Unternehmen zu bezahlen. Diese bekommt ein Unternehmen über den Ausgleich wieder zurück oder sie wird mit der Steuerschuld verrechnet. Andere Fördertöpfe decken 50 bis 80 Prozent der Beratungskosten ab und sind ganzjährig möglich.
Grundsätzlich müssen die Berater eine Zertifizierung oder Akkreditierung der BAFA oder des RKW nachweisen. Seit 2007 bin ich Berater des BAFA, des BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft) und akkreditierter UnternehmensWert:Mensch Prozessberater. Seit 2017 auch Berater und Trainer des RKW-Hessen. Mein Schwerpunkt ist das Vermitteln von Praxiswissen und Verhalten sowie das Coachen von Führungskräften und Vertriebsmitarbeitern.

Haben Sie noch einen weiteren Tipp an Unternehmer?
Ja, es werden so vielfältige Angebote und Informationen durch den Main-Kinzig-Kreis, das Land Hessen und auch die Rathäuser zur Verfügung gestellt. Zusammengefasst und rechtssicher sind diese aus meiner Sicht auf der Webseite der IHK Hanau aufgelistet.
Dort findet man auch eine sehr empfehlenswerte Checkliste unter dem Stichwort Corona-Krise (https://www.hanau.ihk.de/standort/corona-krise), welche die wichtigsten Fragen beantwortet, die sich ein Unternehmer in der Krise stellen muss. Und wenn es da nicht die gewünschten Infos gibt, können Unternehmer gerne auch unseren Service in Anspruch nehmen. Unsere Kontaktdaten findet man unter www.i-p-u.de.

Vielen Dank für das Gespräch!

Kontakt
Clemens ADAM ist Inhaber des Instituts praxisorientierter Unternehmer IPU in Alzenau:
www.i-p-u.de
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Tel.: 0 60 55-93 90 770 und 0 60 23-94 31 731
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