Trageser’s Saftladen: Schluss mit dem Einwegpfand

Trageser’s Saftladen nimmt sämtliche Einweg-Plastikflaschen aus dem Sortiment

Schluss mit dem Einwegpfand
„Getränkemarkt nimmt Einweg-Plastikflaschen aus dem Sortiment“ – Was immer wieder vereinzelt in der Presse oder in sozialen Netzwerken zu lesen ist, nimmt nun auch im Main-Kinzig-Kreis Gestalt an. Trageser’s Saftladen aus Altenmittlau macht jetzt Nägel mit Köpfen und setzt als erster Markt im Kreis ein Zeichen: Sämtliche Einwegprodukte hat der Getränkemarkt bereits zum 1. April aus dem Sortiment genommen und appelliert an seine Kunden, diesen Schritt zu einem nachhaltigeren Lebensstil zu begleiten.
Hunderte Plastikflaschen nimmt Trageser’s Saftladen in der Woche zurück – die meisten davon stammen jedoch nicht aus dem eigenen Getränkemarkt, sondern aus den großen Discountern in der Umgebung. „Wenn wir selbst Einwegflaschen verkaufen, sind wir auch dazu verpflichtet, sämtliche Produkte wieder zurückzunehmen“, sagt Geschäftsführer Christoph Tautges und ergänzt: „Wir bringen die Einweg-Plastikflaschen dann zu einem Recyclinghof und ab dann können wir als Getränkehändler nicht mehr nachverfolgen, was mit unserem Müll eigentlich weiter passiert.“ An diesem Punkt fängt für ihn die Problematik an: Nicht zu wissen, wie und ob die Einwegflaschen überhaupt richtig recycelt werden. In Zeiten von Themen wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Bergen an Plastikmüll in den Weltmeeren eine wichtige Frage für ihn und seine Kollegen.
Rund 16,4 Milliarden Einweg-Plastikflaschen verbrauchen die Menschen in Deutschland pro Jahr, wie die Deutsche Umwelthilfe auf ihrer Seite aufführt. Dabei kommen im Durch­schnitt an die 200 Flaschen auf jeden Deutschen – eine ganze Menge. So sehen es auch Christoph Tautges und sein Team von Trageser’s Saftladen. „Mit der Verwendung von Einweg-Plastikflaschen produzieren wir richtige Müllberge“, sagt Andreas Heider, Industriemeister Fruchtsaft & Getränke. Dabei gebe es viele gute Alternativen, wie zum Beispiel Glas- oder PET-Mehrwegflaschen. Doch durch den Wunsch der Verbraucher nach günstigen Angeboten und die großen Handelsketten, die ihre Getränke überwiegend in Sechserträgern in Plastik eingeschweißt verkaufen, würde die Verwendung von Plastikflaschen immer weiter angefeuert. „Wir möchten deshalb ein Zeichen setzen und unseren Beitrag zu einem ökologischen Umdenken leisten“, betont das Team. Daher wurden alle Getränke in Einweg-Plastikflaschen aus dem Sortiment des Getränkemarktes genommen.
„Wir haben lange darüber nachgedacht, ob wir den Schritt wagen sollen“, berichten Tautges und sein Sohn Philipp. Denn: Sie rechnen definitiv mit Umsatzeinbußen, wenn Kunden künftig gewisse Produkte nicht mehr kaufen können und sich das Sortiment dementsprechend verändert. Ihnen sei es aber wichtiger, ihrer Philosophie treu zu bleiben: „Wir stehen nicht hinter diesem Pfandsystem, das die Menschen mehr verwirrt als alles andere. Wir legen Wert auf die Zusammenarbeit mit regionalen Anbietern und Partnern sowie gute Qualität der Getränke – ob in Glas- oder PET-Mehrwegflaschen.“
Für alle Plastikflaschen und Dosen, die seit April nicht mehr erhältlich sind, hat sich der Getränkehandel Alternativen überlegt. Auch auf Diskussionen hat sich das Team bereits eingestellt, dennoch stehen sie zu 100 Prozent hinter ihrer Entscheidung. „Wir hoffen, dass wir mit unserem Schritt ein Umdenken anstoßen. Vielleicht schlagen die Wellen auch so hoch, dass sich andere Händler uns anschließen und wir zusammen die Industrie dazu bewegen,  mehr nachhaltige Verpackungen in Umlauf zu bringen“, sagt Christoph Tautges.