Wer erbt mein Unternehmen?

Foto: privat

Aufgrund der Altersstruktur in unserer Gesellschaft wird es in zahlreichen Unternehmen in den nächsten Jahren einen Eigentümerwechsel geben, weil die bisherigen Eigentümer in den Ruhestand gehen. Es ist daher unentbehrlich, sich rechtzeitig über die rechtlichen Regeln im Erb-
recht kundig zu machen, um unerwünschte Folgen zu vermeiden.
Sicherlich gibt es einzelne Personengruppen, bei denen ein Testament entbehrlich ist. Unternehmer und Unternehmerinnen gehören jedoch definitiv nicht dazu!
Eine nicht oder schlecht geregelte Unternehmensnachfolge kann durch fehlende Kenntnis des Erbrechts zu einer Zersplitterung des Unternehmens führen, beispielsweise durch die Geltendmachung von Pflichteilsansprüchen von Angehörigen.
Es ist daher sinnvoll, als Eigentümer eines Unternehmens seinen Willen in einer freien Entscheidung durch ein Testament zu regeln.
Wenn es kein Testament oder einen Erbvertrag gibt, greift,
wie ansonsten im Erbrecht auch, die gesetzliche Erbfolge. Das bedeutet, die Nachfolge in einem Unternehmen richtet sich nach den gesetzlichen Regeln. Es erben dann im Normalfall der überlebende Ehegatte und die Kinder. Manchmal führt dies zu fatalen Folgen, weil sodann in der Zukunft ungeeignete Personen das Unternehmen leiten.
Aber auch derjenige, der eine Übertragung bereits zu Lebzeiten plant, sollte für den Fall des plötzlichen Todes ein Testament errichten. Existiert weiter ein Gesellschaftsvertrag, wie z.B. bei einer GmbH, ist meist darin geregelt, dass die Erben nicht Gesellschafter werden sollen. Es finden sich dann oft Abfindungsklauseln im Vertrag, die regeln, dass die Erben auszuzahlen sind. Dies kann für ein Unternehmen einen Liquiditätsengpass, manchmal aber auch eine finanzielle Katastrophe bedeuten. Es ist daher unabdingbar, z.B. einen Gesellschaftsvertrag genau zu prüfen und mit dem eigenen Testament abzugleichen, um unpassende Ergebnisse zu vermeiden.
Was jedoch auch häufig geschieht, ist, dass ein Unternehmer oder eine Unternehmerin durch Krankheit oder Unfall nicht mehr in der Lage ist, handlungsfähig zu bleiben und das Unternehmen zu leiten.
Es ist daher ratsam, dass man rechtzeitig für eine solche Situation Sorge trägt, bevor es zu spät ist. Es ist beispielsweise sinnvoll, durch die Ausarbeitung einer sogenannten „Vorsorgevollmacht“ diese schwierige Lage abzufangen und die geschäftlichen Belange im Notfall zu regeln.
Allein diese wenigen Beispiele zeigen, dass man rechtzeitig an die Unternehmensnachfolge sowie die Vorsorge im Falle von Handlungsun-
fähigkeit denken muss. Hierbei ist anwaltlicher Rat wichtig, um die Risiken der Unternehmensnachfolge entweder gänzlich zu vermeiden, mindestens aber erheblich zu entschärfen.
Wichtige Fragen wie: „Ich will einem Kind das Unternehmen zu Lebzeiten übertragen, haben die anderen Kinder einen Ausgleichsanspruch oder wie sichere ich meinen überlebenden Ehepartner ab?“ sollten professionell durch individuellen Rat mit Hilfe des  Anwalts bzw. der Anwältin Ihres Vertrauens beantwortet werden.