Die Zukunft des Wohnens

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Was bedeutet der demografische 
Wandel für die Immobilienbranche?

Als einer der Schlagwörter der Jahrtausendwende begleitet uns der demografische Wandel mehr denn je in unserem Alltag: Technische Entwicklungen, Freizeitangebote, Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie, Marketing- und Verkaufskonzepte und nicht zuletzt die Immobilienbranche passen sich den wandelnden Strukturen einer immer älter werdenden Gesellschaft an. 

Doch wer sind sie, die neuen „Alten“?
Altern bedeutet heute längst nicht mehr, sich in den Ruhestand zu verabschieden. Das von vielen gefürchtete Szenario einer vergreisenden Gesellschaft weicht zunehmend einem neuen Altersbild. „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“ sang bereits Udo Jürgens. Die „neuen“ Alten werden nicht nur älter. Durch den Anstieg der Lebenserwartung sind sie selbst im hohen Alter agil, unternehmungsfreudig und technisch bewandert. Das Leben auf lange Sicht selbstbestimmt gestalten zu können, rückt in den Fokus – auch und gerade im eigenen Zuhause!

Anders wohnen im Alter
Auch die Immobilienwelt überdenkt ihre Konzepte. Wie sehen die Wohnformen von morgen aus? Wo können ältere Menschen langfristig unabhängig leben, ohne auf Hilfe von außen angewiesen zu sein? 

Über lange Zeit stand der „Versorgungsgedanke“ für ältere Menschen mit Einschränkungen im Vordergrund – weniger der Wohlfühlfaktor.

Die Betreuung der älteren Bevölkerung fand am Rande der Gesellschaft in Form von Senioren- und Pflegeheimen oder anderen Sonderwohnformen statt. Das Älterwerden wurde tabuisiert und verdrängt. Man hoffte insgeheim darauf, dass man selbst möglichst lange von den einhergehenden Veränderungen nicht betroffen sein würde. 

Dass das unabhängige, generationenübergreifende Wohnen auf lange Sicht das Ziel der Mehrzahl der Älteren ist, wurde erst spät von Politik, Wohnungsbaugesellschaften und Investoren erkannt. Langsam findet ein Wandel statt, doch das Angebot hinkt der Nachfrage hinterher.

In der Konsequenz fehlt es heute an attraktiven, zeitgemäßen Immobilien für diese Bevölkerungsgruppe. Bis der Bedarf an barrierearmen- oder -freien Wohnungen ausreichend gedeckt ist, werden noch einige Jahre vergehen. Doch nicht nur das: Bis diese Art der Wohnform aus ihrer verstaubten Nische für die Älteren heraustritt und als die Wohnform für die breite Gesellschaft wahrgenommen wird, ist noch einiges an Aufklärungsarbeit zu leisten. Chic, nachhaltig, mitten im Leben – so möchte man nicht erst morgen, sondern schon heute wohnen!

- Anhaltend sinkende Geburtenrate
- Anstieg Lebenserwartung dank medizinischem Fortschritt und steigendem Lebensstandard
- Auswirkungen auf Kranken- und Rentensystem, Gesundheitswesen, Arbeitsmarkt, Infrastruktur, Wohnformen
- Zuzug aus Krisengebieten und Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU werden Alterungsprozess voraussichtlich nicht aufhalten
- Prognose 2060: 
    • 34 % der Bevölkerung 65 Jahre und älter
    • 50 % 20 bis 65 Jahre
    • 16 % unter 20 Jahre 
- Auswirkungen für Immobilienwirtschaft: Anpassung heutiger Wohnformen und Baustrukturen 

Wie ist die Antwort der Immobilienwirtschaft? 
„In der Praxis der Wohnungswirtschaft sollten die verschiedenen Bevölkerungsgruppen gemeinschaftlich betrachtet werden. Dies ist jedoch leider meistens immer noch nicht der Fall: Singlehaushalte, Familien, Einkommensschwächere, Luxuswohnungen,… – Die Bevölkerung wird in Zielgruppen eingeteilt. Die Zusammensetzung der Haushalte verändert sich jedoch über die Jahre hinweg, genauso wie die Ansprüche der Bewohner. Bei Eigentümern als auch Mietern besteht daher das große Bedürfnis, so lange wie möglich in der Wohnung oder dem Haus wohnen bleiben zu können, ohne sich verändern zu müssen. Dies wird vielmehr von der Immobilie eingefordert. 

Es ist bedauerlich für einen älteren oder eingeschränkten Bewohner, realisieren zu müssen, dass die aktuelle Wohnsituation nicht mehr tragbar ist und nur durch einen Umzug gelöst werden kann.

Die Bleibe, die bleibt 
Die Entwicklung neuer Wohnkonzepte, die sich wandelbar an die aktuellen Bedürfnisse eines jeden Alters anpassen lassen, stellen die Lösung für die Immobilienwirtschaft dar. Die Grundlage dafür besteht in der Barrierefreiheit, die von Anfang an gegeben sein muss.

Barrierefreiheit – ein Modebegriff oder echter Mehrwert?
Generationenübergreifend profitieren alle Bewohner von Maßnahmen zur Barrierefreiheit. Sei es die richtige Breite von Türdurchgängen, schwellenlose Balkonzugänge, stufenlose Wege, leicht bedienbare Fenster und Türen, rutschhemmende Oberflächen, sichere Griffe, angepasste Arbeitshöhen und Beleuchtungen usw. Dieser neue Standard kommt nicht nur einem älteren Menschen zugute, sondern ist allgemein sehr benutzerfreundlich. 

Führt mehr Technik automatisch zu mehr Selbstbestimmung?
Die technische Ausstattung im Wohnumfeld hat in den letzten Jahren stark zugenommen – Tendenz steigend. Wenn die Menschen von der zunehmenden Technisierung profitieren können, steigt automatisch deren Akzeptanz. Insbesondere die Generation 65+ findet mehr und mehr Zugang zu Smartphones und sozialen Medien. Ist diese Hürde erstmal genommen, ist der Weg zum Smart Home nicht nur schneller, sondern auch weitaus leichter zu gehen. 

Studien haben ergeben, dass ältere Menschen, auch diejenigen, die schon die 80 überschritten haben, durchaus bereit und in der Lage sind, mit diesen Techniken umzugehen – 
vorausgesetzt Bedienerfreundlichkeit, Nutzen und Komfort stehen im Vordergrund und Einklang miteinander. 

Viele frühere Neuerungen, wie bspw. das Navigationsgerät, wurden anfangs stark kritisiert, sind heute aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Den Smart-Home-Lösungen wird es irgendwann genauso ergehen. Oder wer von Ihnen möchte nicht in einem wohltemperierten Haus, stets frisch belüftet mit dem optimalen Lichteinfall wohnen?

Es zeichnet sich stark ab, dass das Segment Wohnimmobilien durch den demografischen Wandel mit die größten Veränderungen durchmachen wird. Das Defizit an attraktiven, barrierefreien Wohneinheiten, die funktional und gleichzeitig ästhetisch ansprechend sind, lässt sich nur durch verstärkte Neubau- und Umbautätigkeiten ausgleichen. 

Autorin: Magdalena Fontanier Dipl. Ing. (Architektur)