Mit dem Dozenten auf Augenhöhe

Von links nach rechts: Martin Herber, Roland Szabados, Markus Klimesch, Dr. Günther Bensing, Margit Lieverz, Andreas Bellof, Bettina Stark, Kurt Birtel, Malgorzata (Maggie) Diebel, Clemens Adam, Matthias Garten. Es fehlen auf dem Bild: Prof. Dr. Jörg Kupjetz, Marcus Heide, Dr. Frank Erbacher, Dr. hc. Peter Schu, Sarah Himmelreich, Rupert Merckle, Lukas Adam, Dirk Schmidt - Foto: IPU

Freigerichter Vertriebsberater Clemens Adam gründet „Institut praxisorientierter Unternehmer“ (I-P-U)
Unternehmerschule für kleine und mittelständische Firmen
Unternehmer – das ist man oder man ist es nicht. „Mit dieser Feststellung macht man es sich zu einfach“, sagt Vertriebsberater Clemens Adam aus Freigericht-Somborn. „Natürlich hat der eine mehr unternehmerisches Talent als der andere. Aber der Erfolg hängt auch ab von Ausbildung, Weiterbildung und Erfahrung.“ Und vor allem: Auch erfolgreiche Unternehmer sind nicht auf jede geschäftliche Herausforderung vorbereitet, denn niemand kann in allen Disziplinen fit sein. Deshalb machen sie Fehler oder wissen nicht, wie sie auf eine Krise reagieren sollen. „Gerade bei kleinen Unternehmen und im Mittelstand ist das ein Problem, da nicht für jedes Thema Fachpersonal zur Verfügung steht“, weiß Adam. „Deshalb sollten Unternehmer sich und ihre Mitarbeiter auf den Gebieten schulen lassen, wo sie Defizite haben.“

Vermittlung von Praxiswissen
Das fällt freilich nicht jedem leicht. Mancher scheitert an seiner Eitelkeit oder ignoriert seine Schwächen. Manchmal fehlt es schlichtweg auch am passenden und vor allem praxisnahen Lehrangebot, etwa im Rhein-Main-Gebiet und damit auch im Main-Kinzig-Kreis, so Adams Einschätzung. Das wird er nun ändern: Er hat das „Institut praxisorientierter Unternehmer“ (I-P-U) gegründet, eine Unternehmerschule, die es sich zur Aufgabe macht, sowohl Firmengründern als auch erfahrenen Unternehmern und Vertretern von Firmen in Schwierigkeiten Praxiswissen zu vermitteln: Wie man ein Unternehmen aufbaut. Wie man erfolgreich am Markt besteht und sich weiterentwickelt. Und wie man reagiert, wenn’s mal nicht so gut läuft.
Impulsgeber waren, wie er erzählt, neben einem als Verein fungierenden Projekt in Nordrhein-Westfalen die Industrie- und Handelskammern, die ja selbst über ein umfangreiches und etabliertes Weiterbildungsangebot verfügen. „Doch immer weniger IHK-Mitglieder nutzen dieses Angebot, sodass viele Veranstaltungen mangels Nachfrage oft nur geringe Anmeldequoten haben oder abgesagt werden“, weiß Adam. Für ihn Ansporn genug, die Ursache zu prüfen und Alternativen zu finden, um diese wachsende Lücke zu füllen. Viele Unternehmer vergleichen das Angebot oft mit der schulischen Fort- und Weiterbildung ihrer Auszubildenden und wünschen sich mehr direkten Praxisbezug. Adams zentrales Konzept: Unternehmer schulen Unternehmer. Praxisnähe sei oberstes Gebot.

Seminare mit Workshop-Charakter
Dass die Idee der Unternehmerschule nicht neu ist, weiß auch Clemens Adam. Er hat sich in den vergangenen Jahren kundig gemacht, was andere Organisationen im deutschsprachigen Raum anbieten. Was ihm dabei besonders aufgefallen ist: Das Themenspektrum folgt meist den klassischen Linien – Führung, Strategie, Marketing, Finanzen, Prozessmanagement. Alles wichtig, aber: „Viele Seminare fangen bei ‚Adam und Eva‘ an“, so der Freigerichter Vertriebsberater. „Wir alle kennen doch die endlosen PowerPoint-Folien, die seitenweise theoretische Grundlagen auflisten.“ Der Bezug zu praktischen Sachverhalten lasse sich damit kaum herstellen. „Unternehmer, die schon lange im Geschäft sind, wollen ja nicht ein zweites BWL-Studium absolvieren, sondern Lösungen für ihre praktischen Probleme an die Hand bekommen – kurz, präzise und am liebsten ohne größere Umstände sofort umsetzbar.“ Deshalb soll es in den I-P-U-Seminaren auch jede Menge praktischer Übungen geben, statt die Teilnehmer allzu lange mit Vorträgen zu berieseln. Mit diesem Schulungsangebot mit umfassendem Workshop-Charakter unterscheide sich das I-P-U wesentlich von anderen Unternehmerschulen. Die Dozenten lehrten auf Augenhöhe mit den Schulungsteilnehmern, da sie selbst als mittelständische oder Kleinunternehmer nur allzu gut wissen, wo der Schuh drückt.
Beispiel: Arbeitsrecht, eigentlich ein Schulungsaufwand von mindestens einer Woche – von der Begriffsdefinition angefangen bis zur ausführlichen Erläuterung der Paragraphen. Am I-P-U sind dagegen maximal zwei Tage dafür reserviert, weil es rein um jene Aspekte geht, die in der betrieblichen Praxis relevant sind: Abmahnung, Kündigung nebst Fristen, Vertragsregelungen. „Ein Unternehmer, der selbst schon eine rechtliche Auseinandersetzung in dieser Sache erlebt hat, kann darüber ganz anders berichten als beispielsweise ein Anwalt. Wobei die Inhalte von Juristen im Dozententeam auf dem neuesten Stand und praxisrelevant auf den Punkt gebracht werden“, so Adam.

Nicht nur die „Klassiker“
Auch das Themenangebot soll sich von Wettbewerbern unterscheiden, „denn die betriebliche Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahren massiv gewandelt, nicht nur, aber auch wegen der Digitalisierung“, so Adam. Neben den „Klassikern“ wie Führung und Kommunikation stehen auch Souveränität erfolgreicher Manager, Selbstreflexion, Texten im Internet oder „PowerPoint Excellence“ auf dem Programm. Und das im Übrigen branchenübergreifend – ein sehr wichtiges Element, wie Clemens Adam aus Erfahrung weiß. „Branchenspezifische Seminare haben natürlich jede Menge Vorteile, aber auch eine Reihe von Nachteilen, vor allem: Die Teilnehmer braten sozusagen im eigenen Saft. Warum soll ein Unternehmer aus der Metallbranche einem Kollegen aus dem Holzhandel nicht eine tolle Idee geben können, wie er seine Deckungsbeiträge verbessert? Der Blick von außen kann manchmal sehr hilfreich sein.“
Außerdem können die Schulungsteilnehmer vorab spezielle Themen aus ihrer Praxis bestimmen, die dann im Unterricht behandelt werden. „Was ich zum Beispiel sehr oft beobachte: Gerade kleine Firmen zweifeln am Sinn von Zertifizierungen nach DIN ISO oder haben davor geradezu Angst. Dabei kann ich aus Erfahrung sagen, dass solche Zertifizierungen oft die Kundenzufriedenheit enorm steigern – also ein großer Vorteil für das Unternehmen sind. Der Aufwand kann sich in Grenzen halten, denn es gibt tatsächlich auch kleine Modelle, die sich leicht umsetzen lassen. Aber man muss halt wissen, wie. Am I-P-U wird man es lernen.“

Leicht zu erreichen und zeitlich abgestimmt
Das I-P-U-Schulungsangebot lässt sich wie in einem Baukasten individuell zusammenstellen, Paketangebote eröffnen Preisvorteile. 16 Dozenten sind schon mit an Bord, drei davon aus dem Main-Kinzig-Kreis: Clemens Adam selbst, außerdem sein Sohn Lukas Adam, Experte für Webdesign, Videoproduktion und Projektmanagement, und der Hanauer Marcus Heide, PR- und Medienexperte, Texter und Lektor. Martin Herber, kaufmännischer Begleiter für das Bauhandwerk, stammt aus dem Main-Kinzig-Kreis, lebt aber heute in Baden-Württemberg. Die meisten anderen stammen aus dem Rhein-Main-Gebiet.
Damit der Lernerfolg gewährleistet ist, werden die Seminargruppen nicht mehr als 10 bis 15 Teilnehmer umfassen. Auch die Örtlichkeiten und Schulungszeiten sollen den Ansprüchen von Unternehmern entgegenkommen, sprich: komfortabel zu erreichen und mit möglichst geringer Beeinträchtigung des Tagesgeschäfts. Die Seminare finden in der Regel in regionalen Hotels im Rhein-Main-Gebiet statt, die verkehrsgünstig gelegen sind. Ab Juli wird es ein eigenes I-P-U-Büro in Alzenau geben, dem auch ein Schulungsraum angeschlossen ist. „Grundsätzlich kommen wir aber überall hin, wo wir gebucht werden“, so Adam. Eintägige Seminare finden meist samstags statt, mehrtägige gegen Ende der Arbeitswoche.
Clemens Adam verhandelt übrigens gerade mit einer Frankfurter Hochschule über eine Kooperation. Und auch für die Förderung des I-P-U durch den Europäischen Sozialfonds stehen die Zeichen gut, denn die Schulungen sollen von einem technischen Projekt begleitet werden. Genaueres will Adam dazu aber noch nicht verraten.

Unternehmerabende als Ergänzungsangebot
Eine Ergänzung zum I-P-U-Schulungsangebot sind so genannte Unternehmerabende, die Clemens Adam in den zurückliegenden Jahren unregelmäßig im Rhein-Main-Gebiet und anderen Bundesländern veranstaltet hat, zuletzt in Bad Nauheim und in Neu-Isenburg. Diese Veranstaltungen, die es künftig öfter auch im Main-Kinzig-Kreis geben wird, bestehen aus vier, fünf Kurzvorträgen zu betrieblichen Themen, anschließend gibt es – neben der Verpflegung am Büffet – die Möglichkeit zum Netzwerken. „Auch dieses Unternehmerformat hat sich bestens bewährt“, erzählt Clemens Adam. „Hier geben sich Redner und Teilnehmer gegenseitig Impulse für die betriebliche Praxis, es findet ein intensiver Austausch statt und man lernt voneinander.
Bei der Frage, ob man Unternehmer ist, lautet die Antwort also nicht: „Entweder – oder“, sondern es gibt jede Menge dazwischen. Auch gestandene Firmenchefs können dazulernen. Und Firmengründer sowieso. Das I-P-U wird sie dabei unterstützen.

www.i-p-u.de
www.unternehmerabend-deutschland.de