MADE IN FREIGERICHT: Quenzel Guitars

Fotos: Quenzel Guitars

Besuch beim Gitarrenbauer - Fichte, Zeder, Birne, Ahorn, Nussbaum, Palisander, Ebenholz und Mahagoni – das ist der Rohstoff, aus dem die Träume von passionierten Gitarrenspielern sind. Markus Quenzel erfüllt sie. Er hat das Handwerk des Gitarrenbauers von der Pike auf gelernt.Die ebenerdige Werkstatt in der Alten Hauptstraße strömt einen aromatischen Holzgeruch aus. Außer dem gelagerten Holz sind überall typische Werkzeuge und Maschinen der Holzverarbeitung zu sehen. Bei der Lehre zum Gitarrenbauer in Gießen profitierte Markus Quenzel davon, dass er zunächst Modelltischler gelernt hatte. Der Umgang mit Werkzeugen wie Säge, Hobel, Feile, Stecheisen, Schnitzer und Raspel war ihm geläufig. Doch das allein reicht nicht, um wohlklingende Saiteninstrumente herzustellen. „Man sollte als Gitarrenbauer etwas besser als der Durchschnitt spielen, so kann man sich den Klang besser vorstellen. Ich habe mit 13 Jahren angefangen, Gitarre zu spielen. Die ersten Griffe habe ich autodidaktisch gelernt, später habe ich Unterricht genommen“, erzählt der 47-Jährige. Seine erste Gitarre kostete 50 Mark, die hat er sich mit Zeitungsaustragen verdient. Später spielte Quenzel in mehreren Bands. „Dafür habe ich jetzt keine Zeit mehr.“ Gitarrenbau ist ein Fulltime-Job. Bis zu 60 Wochenstunden verbringt er in seiner Werkstatt, seit er sich vor acht Jahren in Freigericht selbstständig gemacht hat. Was sich der Gitarrenbauer aber nicht nehmen lässt und ihm viel Spaß macht: Er gibt regelmäßig Gitarrenunterricht.

Von der Idee zum Sound
Die Kunden reisen aus ganz Deutschland an, sogar Schweizer finden den Weg nach Freigericht. In einem persönlichen Vorgespräch wird geklärt, welche Vorstellung der Kunde von seiner zukünftigen Gitarre hat. Welche Art von Musik soll gespielt werden? Rock, Pop, Heavy Metal? Akustik- oder E-Gitarre? Welche Hölzer kommen in Frage? Deckenholz, Boden und Zargen sind bei einer akustischen Gitarre häufig aus Fichte und Zeder. Um das Schallloch in der Resonanzdecke fertigt der Gitarrenexperte einen Kranz aus Perlmutt und feinen Holzstreifen. Es sind unzählige Arbeitsschritte, bis die Teile verleimt, die Saiten aufgezogen sind und der erste Klang aus dem Instrument ertönt. „Es ist ein schönes Gefühl, den Sound zu hören“, sagt Markus Quenzel. 
Die meisten Kunden machen erste Bekanntschaft mit der Freigerichter Werkstatt, wenn sie ihre Gitarre zur Reparatur vorbeibringen. Pflege und Instandsetzung gebrauchter Zupfin-
strumente gehören zu Quenzels Angebotskatalog. Da ist auch mal eine Geige oder ein anderes Zupfinstrument darunter. Viele kommen auch, um ihre Gitarre verbessern zu lassen. „Es handelt sich überwiegend um Industriegitarren. Aldi oder Lidl-Gitarren nehme ich aber nicht an, das hat nichts mit Qualitätsarbeit zu tun“, erklärt der Gitarrenexperte entschieden. Die Reparatur wäre teurer als die Anschaffung.
Nicht nur die Gitarristen bekannter Bands wie zum Beispiel von Wolfgang und Achim Petri, Guildo Horn oder des Mannheimer Sängers und Songwriters Laith Al-Deen leisten sich ein Unikat. „Zwar stehen handgemachte Instrumente bei dem vorherrschenden Markenfetischismus erst mal nicht im Fokus“, weiß Quenzel. „Doch nach fünf bis acht Reparaturbesuchen kommt meist die Frage, ob ich eine Gitarre anfertigen kann.“ Was viele Gitarrenspieler nicht wissen: Eine gute akustische Industriegitarre ist in der Regel teurer als ein handgefertigtes Exemplar. Mit 3000 bis 4000 Euro schlägt ein Unikat zu Buche. Rund vier Monate Wartezeit muss ein Kunde mitbringen, um seine Gitarre „Made in Freigericht“ in den Händen halten zu können. Zu erkennen an der Handsignierung auf der Innenseite des Gitarrenbodens.

Red.

Foto: Quenzel Guitars
Foto: Quenzel Guitars
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